Forschung

 
 

Architekturpsychologie

 
 

"Wie ist es möglich, dass architektonische Formen Ausdruck eines Seelischen, einer Stimmung sein können?", hinterfragte 1886 bereits einer der bedeutendsten Kunstwissenschaftler des 20sten Jahrhunderts, Heinrich Wölflin in seinen Prolegomena zu einer Psychologie der Architektur. Bis heute sind die Antworten auf diese Frage wissenschaftlich betrachtet äußerst ungenau und wenig nutzbar gemacht für die zentrale Aufgabe des Architekten: Den Entwurf.

Die wachsende Bedeutung des Einflusses von Architektur auf das Wohlbefinden, die "Seelenlagen des Menschen", die mit diesen zusammenhängende Gesundwerdung und Gesundheitserhaltung, dessen Messbarkeit sowie die Nutzung dieser Erkenntnisse im Entwurfsprozess erfordert langfristig eine systematische wissenschaftliche Auseinandersetzung mit den affektiven Qualitäten von Architektur.

Dieser komplexen Herausforderung stellt sich das Fachgebiet Architekturpsychologie an der Technischen Universität Berlin in Forschung und Wissenschaft. Wir vergeben in diesem Bereich auch Promotionen und begleiten Masterarbeiten.

Ansprechpartnerin

Prof. Dr. rer. nat. Tanja C. Vollmer
Tel. +49 - 30 - 314 79 401
Tel. +49 - 30 - 314 22 960 (FG Sekretariat)
t.vollmer@healthcare-tub.com

Projekt I: Einfluss von Architektur auf das emotionale und körperliche Wohlbefinden von Schwerst- und chronisch Kranken

In zahlreichen Theorien wird der menschliche Körper als Ausgangspunkt – auch der "beseelten" - Architektur betrachtet. Doch was geschieht, wenn sich dieser Körper plötzlich verändert und durch eine lebensbedrohliche Erkrankung sogar zum ‚Lebensfeind' wird? Ist er dann als architektonischer Ausgangspunkt noch tauglich? In diesem Zustand treten starke Gefühle, Angst, Stress und Unwohlsein in den Vordergrund und verändern die räumliche Wahrnehmung. Mehr denn je werden die Anforderungen an den architektonischen Raum von psychologischen Faktoren bestimmt. Wir sprechen von Raumanthropodysmorphie. Das Forschungsprojekt untersucht in einem prospektiven Ansatz den Zusammenhang von Wahrnehmungsveränderungen, der gebauten Umgebung und seelischer sowie körperlicher Gesundheit Schwerst- und chronisch Kranker.

Projekt II: Psychologisch Unterlegt Entwerfen (PUE)

Die wachsende Bedeutung des Einflusses von Architektur auf Gesundwerdung und Gesundheitserhaltung (Interventions- und präventiver Ansatz), dessen Messbarkeit sowie die Nutzung dieser Erkenntnisse im Entwurfsprozess (evidence based design) verändern langfristig auch das Berufsbild des Architekten. Das Forschungs- und Entwicklungsprojekt ‚psychologisch unterlegt Entwerfen" untersucht, inwieweit architektur-psychologische Theorien angewendet und Methoden ausgebildet werden können, die Studierende frühzeitig auf diese Entwicklung vorbereiten und mit intellektuellen und praxisbezogenen Fähigkeiten ausstatten. Die Besonderheit des Projekts liegt im interdisziplinären und Architekturintegralen Ansatz, wobei das zu implementierende Feld der Architekturpsychologie ein wichtiges Bindeglied zwischen der Wissenschaft vom Menschen (Psychologie, Physiologie etc.) und den technischen Wissenschaften darstellt.