Lehre

 

Vorlesung

 

Die Vorlesung dient als theoretische Grundlage für die Entwurfsarbeit am Fachgebiet. Zudem soll sie eine Vertiefung von komplexen Bauaufgaben unterstützen, um den Studierenden ein Rüstzeug für spezielle Entwurfsaufgaben zu geben.

Die Vorlesung verfolgt zwei Schwerpunkte: Gegenstand der ersten Vorlesungsreihe sind theoretische Parameter mit dem Umgang komplexer Raumprogramme und deren Auswirkung auf den Entwurfsprozess. Im zweiten Zyklus wird einer systematischen Bedeutung einzelner architektonischer Elemente nachgegangen. Der weitere interdisziplinäre Ansatz widmet sich der Frage nach aktuellen Diskursen über Architektur als soziale, ökonomische, technische oder ästhetische Aussage.

Die Vermittlung der Themen ist wie folgt gegliedert:

Programm: Programme sind immer abstrakte, diskrete Zahlenreihen, die mit einer Funktionalbeschreibung zu einem Ordnungsprinzip in Zusammenhang gebracht werden. Aufgabe ist es, ein abstraktes Raumprogramm mit einer entsprechenden Funktionalbeschreibung zu analysieren und daraus ein Flächenlayout zu entwickeln.

Funktion: Das abstrakte Raumprogramm wird thematisch und in Beziehung zueinander gesetzt. Es geht um die Organisation und Ordnung von Flächen, um schließlich räumliche Strukturen zu entwickeln.

Modul: Jedes Programm enthält gleiche, oft wiederkehrende Einheiten, die dem Gebäude einen grundlegenden Ausdruck verleihen. Einige allgemeine Beispiele dafür: das Bettenzimmer im Krankenhaus, das Klassenzimmer im Schulhausbau, die kleinste Büroeinheit im Verwaltungsbau. Alle diese Module haben eine von der Nutzung vorgegebene Grundordnung, sind aber letztlich strukturbestimmend für die jeweilige Aufgabe. Im Modul ist zwangsläufig eine Rasterstruktur beinhaltet, die sowohl virtuell oder real (konstruktiv) sein kann. Anhand von ausgewählten Beispielen wird versucht, das abstrakte Gebilde (aus Modul und Organisation) als Gebäude näher zu bringen.

Struktur: Das Thema kombiniert Typologie und Ort, die Komplexität wird an Beispielen gezeigt. Hier geht es um Erschließungsstrukturen und Ordnungssysteme – vertikale und horizontale Gliederungen; die Berücksichtigung des Ortes. Auch hier wird immer ein Vergleich vom Krankenhausbau zu anderen Bautypologien gezogen, um Verständnis zu wecken, dass alle Architekturaufgaben ähnlichen Grundprinzipien folgen.

Hülle: Jeder Gebäudeentwurf ist nicht nur nach konstruktiven und funktionalen, sondern auch architektonischen (ästhetischen) Aussagen zu bewerten. Die ausgewählten Beispiele werden analysiert, die Gestaltungsprinzipien auf den Inhalt überprüft. In der Auseinandersetzung zur Materialität geht es darum, die Materialwahl zu sensibilisieren: Welcher Werkstoff erzeugt welche Stimmung? Wie ist seine Oberfläche beschaffen? Gemeinsam formen Hülle (Charakter) und Typus einen Ausgangspunkt für eine Architekturaufgabe, auch wenn sie unterschiedliche Aspekte beinhalten. Während der Typus eine sachliche, rationale Annäherung an eine Aufgabe bedeutet, beschreibt der Charakter eines Projekts mehr die Atmosphäre und die Besonderheit des Ortes. Primär werden hier Zusammenhänge von der Entwurfsskizze bis zum Fassadenschnitt als Gesamtentwurf aufgezeigt. Das Denken auf mehreren Ebenen als maßstabsübergreifend ist hierbei zentrale Aufgabe und dient als Ergänzung zu der jeweiligen Entwurfsaufgabe.

Forschung und Lehre: Ein letzter Abschnitt der Vorlesungsreihe befasst sich mit dem Thema der hochinstallierten Gebäude der Forschung. Durch das sukzessive, schrittweise Heranführen an eine komplexere Aufgabe soll ein methodisches Vorgehen – ein vernetztes Denken – aufgezeigt werden.

Ergänzt wird die Vorlesungsreihe mit einer Tagesexkursion, um an einem realisierten Projekt die gesamten theoretischen Segmente noch einmal zu erläutern.

von Prof. Hans Nickl